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Offene Daten für Kultur und Erbe zugänglich machen

Offene Daten

28/09/2018

7 min. Lesezeit

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Am kommenden Wochenende finden die European Heritage Days statt (auch als Europäische Tage des Denkmals oder Kulturerbes bezeichnet). Bei dieser 1984 ins Leben gerufenen Veranstaltung werden üblicherweise private Gebäude, Denkmäler und Stätten der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, um den Menschen europaweit Zugang zu ihrem architektonischen Erbe zu gewähren. So sind berühmte Orte wie der Elysée-Palast (wo der französische Präsident lebt und arbeitet) beispielsweise einen Großteil des Jahres für Besucher geschlossen und öffnet an diesem Wochenende seine Türen, damit die Besucher diese besonderen Räumlichkeiten mit eigenen Augen betrachten können.

Das ist genau der richtige Zeitpunkt, um den aktuellen Stand von Open Data im Kulturbereich zu betrachten! OpenDataSoft möchte drei unterschiedliche Initiativen und deren Ergebnisse vorstellen und auf diese Weise Anregungen schaffen, wie auch Sie den Zugang zu Kunst und Kultur in Ihrem Bereich verbessern können!

Die offenen Daten des Kulturministeriums

Bereits im Dezember 2016 stellte der französische Kulturminister ein offenes Datenportal vor. Fast zwei Jahre später verfügt das Portal über 54 Datensätze zu den unterschiedlichsten Themen: die französischen Museen, die Zahl der Museumsbesucher usw., sowie zu Veranstaltungen wie die Heritage Days, die Fête de la Musique und das Rendez-vous Hip Hop. Auf diese Weise soll die Entwicklung innovativer Anwendungen und Dienste für das kulturelle Angebot des Ministeriums erleichtert werden.

Um die Nutzung seiner Daten zu fördern, bietet das Ministerium auf seinem Portal einen Leitfaden zur Bereitstellung und Wiederverwendung öffentlicher Kulturinformationen in digitalen Formaten. Das Dokument erläutert die Zugriffsrechte und Einschränkungen der Wiederverwendung, sowie weitere wichtige Informationen und bietet auf diese Weise eine hilfreiche Richtlinie zur Wiederverwendung der Daten.

Das Ministerium selbst ist ein Wiederverwender seiner eigenen Daten, um neue Ressourcen zu schaffen. Diese Tools erleichtern die Suche nach Informationen über kulturelle Veranstaltungen wie Festivals, Konferenzen und auch nach Events rund um die Heritage Days. So wurde beispielsweise ein „Panorama der Festivals“ geschaffen, mit dem Nutzer geografisch und innerhalb eines bestimmten Zeitrahmens nach Veranstaltungen suchen können. Und dieses Tool wurde bereits von einer Reihe französischer Städte zur Präsentation ihrer Kulturveranstaltungen wiederverwendet.

Nehmen wir beispielsweise einmal an, dass ich einige Tage in der südfranzösischen Stadt Montpellier unterwegs bin. Ich kann den Umkreis Stadt heranzoomen und die Daten aussuchen, an denen ich dort sein werden: schon sehe ich die Festivals, die zu dieser Zeit stattfinden. Diese Tools machen es den Nutzern wesentlich leichter, kulturelle Veranstaltungen zu finden, ohne das gesamte Internet durchforsten zu müssen.

Ähnliche Tools sind für Veranstaltungen wie die European Heritage Days vorstellbar. Es wäre sogar möglich, ein Spiel auf Grundlage des Events zu entwickeln, vergleichbar mit jenem auf der Website des Kulturministeriums, das mit den Datensätzen historischer Denkmäler und Museen geschaffen wurde. So handelt es sich bei der Anwendung France Explorers um ein Spiel, bei dem Nutzer verschiedene Sehenswürdigkeiten entdecken und dabei unterschiedliche Badges sammeln können. Dabei werden nicht nur die einzelnen Orte vorgestellt, sondern vielmehr wird der kulturellen Entdeckung eine weitere Ebene hinzugefügt: den Nutzern wird die Bedeutung der einzelnen Sehenswürdigkeiten erklärt und zugleich können sie sehen, was andere Nutzer besichtigt haben. Es wäre denkbar, eine ähnliche App für die Heritage Days zu entwickeln und auf diese Weise herauszufinden, wo sich die längsten Warteschlangen bilden, um das Besucheraufkommen besser zu verteilen. Den Möglichkeiten sind keine Grenzen gesetzt!

Bereitstellung von Museumsbeständen im Internet

Das Albert Kahn Museum befindet sich in einem Vorort westlich von Paris. In diesem Museum befindet sich die Fotosammlung „Les Archives de la Planète“ (Die Archive des Planeten) mit Aufnahmen vom Beginn des 20. Jahrhunderts aus der ganzen Welt. Seit Juni 2016 arbeitet das Museum gemeinsam mit den Administratoren des lokalen Open-Data-Portals, um die über 60.000 Fotos der Sammlung in einem offenen Datensatz bereitzustellen. Seitdem wurden die Bilder anhand zahlreicher Wiederverwendungen weit über die Mauern dieses einen Museums hinaus verbreitet.

Ein Beispiel hierfür ist die Website Archives Kahn, auf der Besucher die Fotos geordnet nach Thema, Jahr oder Ort durchsuchen können - ein ebenso benutzerfreundliches wie spannendes Erlebnis. Ein derartiges Projekt wurde dank der Verfügbarkeit von Rohdaten und dem Einsatz von APIs ermöglicht. Der Projektentwickler konnte eine komplett neue Website mit einer benutzerfreundlichen Oberfläche und einer einfachen Navigation schaffen. Ähnliche Projekte wurden zu spezifischen Themen (wie etwa der französischen Architektur) umgesetzt, um einen fokussierten Blick auf ein bestimmtes Themengebiet dieser umfangreichen Sammlung zu werfen. So konnten offene Daten dazu genutzt werden, um die Kunst einem weltweiten Publikum verfügbar zu machen.

Förderung des Kulturtourismus

Kunstsammlungen sind nicht das einzige Beispiel für die Möglichkeit, Kunstformen mithilfe von offenen Datensätzen in der Öffentlichkeit zu verbreiten. Die europäische Hauptstadt Brüssel,sowie die nahegelegene französische Stadt Roubaix, bieten offene Datensätze mit geografisch lokalisierten Street-Art-Werken. Solche Datensätze könnten eine Vielzahl von Anwendungen hervorbringen, um Besucher zu den unterschiedlichsten Street-Art-Standorten zu führen. Werden diese Datensätze mit anderen Datensätzen kombiniert - beispielsweise mit denen von Denkmälern - können Städte ihr digitales Angebot zur Förderung des lokalen Kulturtourismus ausbauen.

So wurde beispielsweise mit dem Datensatz der Comic-Strip-Route des Open-Data-Portals der Stadt Brüssel eine Webseite mit Informationen und Wegbeschreibungen der Kunstwerke entwickelt.

Ein materieller und immaterieller Nutzen

Offene Daten aus dem Kulturbereich bieten eine bedeutende Möglichkeit, um Kunst, Events und das Kulturerbe ganzen Gemeinden und Touristen besser zugänglich zu machen. Städte können sich auf einen messbaren wirtschaftlichen Nutzen in Form von mehr Besuchern freuen. Doch der immaterielle Nutzen für Menschen, die einen einfacheren Zugang zu bereichernden Erfahrungen erhalten, ist wohl noch bedeutender. So können Fotos, Kunstrouten, Veranstaltungen usw. geteilt oder Rohmaterial ganzen Gemeinden bereitgestellt werden, um zu sehen, welche kreativen Projekte die einzelnen Mitglieder daraus hervorbringen.

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